Während wir im Sommer noch versuchten, die positiven Seiten der Pandemie zu sehen, fällt dies zunehmend schwerer. Kaum einer spricht heute noch davon, dass es schön ist, das Leben etwas zu entschleunigen und aus dem Hamsterrad zu entfliehen. An die Stelle von „Ruhe“ und „sich auf das Wesentliche konzentrieren“ sind „Wirtschaftsfolgen“ und „Anzahl Neuansteckungen“ getreten. Viele von uns haben die Situation einfach nur satt und ich kenne eigene erwachsene Personen, die sich zwar an die Regeln halten, aber sich bewusst nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen. Doch was machen wir, wenn die Regeln des Staates weiter in unsere persönliche Lebensweise einschneiden? Was, wenn unser Glaubensleben davon betroffen ist?

Warum sind die Treffen so wichtig? 

Wir gehen nicht in den Gottesdienst oder treffen uns in Kleingruppen, weil wir müssen, sondern weil wir die Nähe zu anderen Christen suchen. Wir wollen Gott gemeinsam anbeten, streben geistliches Wachstum an, helfen einander und möchten Gemeinschaft erleben. Schon das alte Jungscharlied vom Solo-Christ lehrte uns, dass es ganz alleine einfach nicht geht. Wir brauchen einander. 

Im Brief an die Hebräer lesen wir: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheissen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“ (Hebräer 10,23-25) 

Wir brauchen die Gemeinschaft miteinander. Wer hilft uns, wenn wir alleine fallen? Der Prediger sagte: „Wenn sie fallen, kann der eine seinem Gefährten aufhelfen. Doch wehe dem, der allein ist und fällt, und keiner ist da, der ihm aufhelfen kann.“ (Prediger 4,10) Als Christ ist man nie allein. Gott ist immer mit uns. Doch darauf will dieser Vers nicht hinaus, sondern er zeigt uns, dass wir für die Gemeinschaft geschaffen wurden. Wir sollen einander helfen und gleichzeitig wachsen wir auch in dieser Aufgabe. Zudem lebt der Heilige Geist in jedem Christen und eröffnet uns die Geheimnisse Gottes. Doch dies alles ist Stückwerk. Für uns alleine können wir leichter irregeleitet sein, auch als wiedergeborene Christen. Wir sind anfälliger für geistliche Angriffe und kämpfen ohne unsere Mitstreiter. Darum sollte kein Christ alleine unterwegs sein. In der Gemeinschaft werden wir korrigiert, ermahnt, ermutigt und aufgerichtet. 

Christsein in der Coronazeit 

Was also tun wir nun? Solange Kleingruppen noch möglich sind, können Gottesdienste auch in kleinere Treffen umgewandelt werden. Doch sollte dies auch nicht mehr möglich sein, müssen andere Ideen her. Im Frühling weichten viele Gemeinden auf Livestreams aus, was eine tolle Idee ist, um den Menschen einen geistlichen Input weiterzugeben. Schliesslich wird dies vermutlich mehr genutzt, als wenn eine ausgeschriebene Predigt verschickt wird. Eine Möglichkeit, von welcher man auch gut unter „normalen“ Umständen profitieren kann.

Doch was ist mit den anderen Aspekten des Gottesdienstes? Was ist mit dem musikalischen Lobpreis, mit dem gemeinsamen Gebet und der Gemeinschaft? Vielleicht wollen wir ein wenig zu modern sein. Vielleicht reicht das Gefühl der Verbundenheit teilweise aus und muss nicht erst über eine Internetverbindung hergestellt werden. Dann genügt es, wenn ich weiss, dass andere Christen auch jetzt im Gebet sind und ich mich so mit ihnen verbunden fühle. Wenn ich alleine für Gott Lieder singe oder spiele, aber weiss, dass meine Geschwister ebenfalls mit einstimmen. Es mag nicht dasselbe Lied sein, aber dieselbe Botschaft.  

Was die Gemeinschaft und die Gespräche anbelangt, so gibt es immer noch den altmodischen Griff zum Telefon oder den gemeinsamen Spaziergang an der frischen Luft. Es verlangt ein wenig mehr Einsatz, doch ist dies möglicherweise gar nicht so schlecht. Wir wollen aufeinander zugehen. Familien und Alleinstehende. Miteinander reden, beten und Gott gemeinsam loben. Der Austausch über Gottes Wort und über das, was uns gerade bewegt, bereichert und stärkt das Leben eines Christen. Vergessen wir dabei die Kleinen nicht, vergessen wir die älteren Menschen nicht und vergessen wir die Armen nicht. Geben wir Gottes Liebe, die wir bedingungslos von ihm erhalten, ebenso bedingungslos weiter. 

Coronazeit, die Zeit der erzwungenen Entschleunigung und der verordneten Ruhe. Zeit des Rückzugs und der Einsamkeit. Einige leiden mehr darunter als andere…

Frauenarbeit

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