Mein grösster Fehler beim Evangelisieren und Zeugnis geben

Mein grösster Fehler beim Evangelisieren und Zeugnis geben

Warum eigentlich nicht im Internet, wo es jeder lesen kann, seine grössten Fehler zugeben? Nicht dass ich sonderlich darauf stehe, mich vor anderen Menschen kleinzumachen. Es geht mir dabei eher darum, dass ich hoffe, jemanden davor zu bewahren, denselben Fehler zu begehen. Darum lasst uns beginnen und tauchen wir ein in die wundersame Welt meiner Fehltritte! Meinen letzten möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. 

Gehen wir ein paar Tage zurück. Am Sonntagmorgen kam ich, nicht frisch erholt aber immerhin noch mit der Sonne in meinem Herzen, aus dem Urlaub zurück. Natürlich war mein Kühlschrank leer, bis auf ein kleines Himbeerjoghurt, das schon so lange in der unteren linken Ecke stand, dass ich es schon gar nicht mehr wahrnahm und daher auch vergass, bevor ich mich für zwei Wochen aus dem Staub machte. Ich kam also zurück, überbrückte den Sonntag mit Pizza und Popcorn und raffte mich am Montagnachmittag dazu auf, meine Couch zu verlassen und einkaufen zu gehen. Der Nach-Ferien-Blues hatte mich schon längst völlig umschlungen und ich war ziemlich in meiner eigenen Welt, ohne Blick für meine Umgebung. Und auf dem Rückweg geschah es dann… 

Wenn mich fremde Leute ansprachen

Früher nervte ich mich oft darüber, wenn mich fremde Leute auf der Strasse einfach anquatschten. Zugegeben, wenn mich Männer ansprachen, fühlte sich ein winzig kleiner Teil in mir (manchmal auch ein grösserer) auch geschmeichelt. Aber der Punkt ist, meistens fühlte ich mich unwohl. Wenn es keine Anmachsprüche waren, waren es irgendwelche religiösen Fanatiker, meist Zeugen Jehovas, Leute, die dir ins Gewissen reden, bis du die oder jene Hilfsorganisation unterstützt oder Menschen, die auf der Suche nach Unterschriften, dich von ihrer politischen Meinung versuchten zu überzeugen. Ich sage keinesfalls, dass all diese Anliegen schlecht sind, doch meistens war ich nicht auf diese Art der Unterhaltung eingestellt oder offen dafür. Ich fühlte mich schnell in eine Ecke gedrängt und zu Dingen überredet, die ich eigentlich gar nicht wollte. 

Wenn mich heute Fremde ansprechen

Gott sei Dank gibt es Dinge, die sich ändern, wenn man gläubig wird. Ich mag es immer noch nicht besonders, wenn mich Fremde ansprechen, doch hat sich meine Einstellung dazu dennoch geändert. Heute sehe ich es als Möglichkeit. Ich möchte den Menschen von Gott erzählen und von der Rettung in Jesus Christus. Oft bin ich jedoch zu schüchtern, um einfach auf fremde Menschen zuzugehen. Daher sehe ich es als kleines Geschenk, wenn sie auf mich zu kommen. Es ist sozusagen eine Evangelisationsmöglichkeit, auf dem Silbertablett präsentiert. 

Wo dennoch das Problem liegt

Zwar hat sich meine Einstellung geändert, aber dennoch gehöre ich nicht zu den begabtesten Evangelisten. Oft habe ich während Gesprächen Aussetzer und die besten Argumente kommen mir eigentlich immer erst Tage danach in den Sinn. Ob es nicht einfacher wäre, das Ganze dann komplett sein zu lassen? Vermutlich schon. Aber ich weiss, es wäre nicht das richtig. Wir sind alle dazu aufgerufen, den Glauben zu teilen und von unserer Hoffnung zu erzählen. Den Aufruf dazu finden wir in vielen verschiedenen Stellen in der Bibel (Matthäus 28,19-20; 1. Petrus 2,9; Psalm 96,3 um nur einige zu nennen).

Ein Gedanke, der mich dabei ermutigt, ist, dass Gott grösser ist als meine Unfähigkeit, und es auf sein Wirken ankommt und nicht auf meines. Gerade auch durch meine bescheidenen Fähigkeiten erhält er die Ehre, wenn er mich gebraucht. Ausserdem hat Gott genau gewusst, auf was er sich mit mir einlässt. Daher gibt es wohl auch keinen Moment, in welchem er die Hände gegen den Himmel wirft und wegen seiner Wahl verzweifelt. Oder glaubt irgendwer, dass Gott den Kopf schüttelt und seufzt: Hätte ich das doch nur gewusst, ich hätte jemand anderen als mein Kind erwählt. Nein, er wusste ganz genau, was er tat. Aber Tatsache ist, wie überall geht es eben in erster Linie gar nicht wirklich um uns, sondern um ihn. Seine Grösse, sein Wirken, seine Gnade. Er ist es, der bewegt. Aber aufgrund seiner Güte und Liebe dürfen wir teilhaben daran. Und ich möchte Teil sein, möchte gebraucht werden, möchte sehen, wie Menschen gerettet werden. 

Zurück zu meinem Fehler

Ich kam also gerade vom Einkaufen zurück und hatte bereits die Hälfte meines Weges zurückgelegt. Ein Mann, ungefähr in meinem Alter, kam mir entgegen, grüsste mich und lächelte mich an. Als er schon beinahe an mir vorbei war, meinte er, ich sei eine sehr glückliche Frau. Irritiert blickte ich ihn an, in Gedanken immer noch meinem Urlaub nachtrauernd. Er blieb stehen und fing an mir Dinge über mein Leben zu sagen. Ich würde sehr schwer arbeiten, ohne wirklich jemals an ein Ziel zu kommen. Ich würde nicht genügend Geld haben und ich sei von einem Mann verletzt worden. Ich blickte ihn an und fragte mich, was ich mit diesen Aussagen anfangen soll und auf wie viele Frauen diese Worte wohl zutreffen würden. Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er fort. Diesen Sommer würde sich das Blatt für mich wenden.

Ich musste ihn unbedingt aufhalten, weil ich nicht wollte, dass er weiterredete. Ich wollte keine Lügen von einem Wahrsager oder einem falschen Propheten hören. Das Ganze schien mir nicht der Weg zu sein, welchen Gott wählen würde, um mir etwas mitzuteilen. Also fragte ich ihn, woher er sein Wissen nehme und zu welcher Religion er angehöre. Als er sagte, dass er Buddhist sei, wurde mir auch schlagartig klar, woher das Unbehagen kam. Ich glaubte ihm durchaus, dass es sein Anliegen war, nur Gutes zu tun und den Menschen zu helfen, aber ich wusste, dass es nicht Gottes Geist war, der durch ihn sprach. 

Plötzlich kam mir wieder in den Sinn, dass dies eine Gelegenheit war, um jemandem von Jesus zu erzählen. Also tat ich das. Ich sagte ihm, dass ich für ihn beten würde und hoffe, dass Gott ihm den Weg zeigen würde und er Jesus Christus als seinen Herrn annehmen würde, denn schliesslich sei er der einzige Weg zum Vater.  

Der Fehler, den ich beging, war nicht, dass ich das Evangelium zu wenig oder besser gesagt gar nicht ausgelegt hatte. Auch war das Problem nicht, dass ich nicht genügend auf seine eigene Glaubensrichtung eingegangen war. Mein Versagen bestand auch nicht darin, dass ich keine überzeugenden Argumente hatte. Es war viel gravierender und leider fiel es mir erst viel später auf. 

Das Christentum ist keine To-do-Liste

Ich hatte es vergessen, oder zumindest nahm ich es mir in diesem Moment nicht zu Herzen. Nachfolgerin zu sein bedeutet mehr als einfach nur gewisse Punkte auf einer Liste abzuarbeiten. Jesus Christus nachzufolgen ist viel mehr eine Herzenshaltung, als eine To-do-Liste. So ist auch das Zeugnisgeben nicht etwas, das man tut, um es abzuhaken. Doch in diesem Gespräch ging es mir nicht um den jungen Mann. Nicht darum, dass er auf direktem Weg in die Hölle war, wenn er das Erlösungswerk von Jesus Christus nicht annehmen würde. Es ging mir auch nicht um Gott, dass er die Ehre erhielt für sein Wirken und er allein Anbetung verdiente, auch im Leben dieses Mannes. Ich handelte nicht aus Liebe und ich handelte nicht, damit er die Wahrheit erkennen und umkehren könnte. Ich handelte, weil ich dachte, dass ich handeln müsste. Es erstaunte mich auch nicht wirklich, als er das Gespräch schnellstmöglich abbrach und seinen Weg hastig fortsetzte. 

Es ist erschreckend, wie schnell ich in eine Gesetzlichkeit abrutschen kann, in welcher ich eine wahre Beziehung zu Gott austausche mit Listen, die ich abarbeiten kann. Nicht, weil es einfacher oder bequemer ist. Die Wahrheit ist simpel. Ich sündige immer noch und rebelliere in meinem Herzen immer wieder gegen Gott, in dem ich versuche die Kontrolle an mich zu reissen. Listen sind schlussendlich auch nur ein Kontrollding. Sie geben das Gefühl von Stabilität, Sicherheit und schenken Erfolgserlebnisse, wenn Punkte abgearbeitet werden können. Eine Beziehung hingegen ist Arbeit, ist Vertrauen und Loslassen. Es bedeutet Kontrolle abgeben und sich führen lassen. Der Blick ist auf das Ziel gerichtet. Und dieses ist kein Punkt, sondern eine Person. 

Klar, Gott kann auch in einem anderen Menschen wirken, obschon ich die falsche Einstellung habe. Wie Paulus sagt: „Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. […]“ (Philipper 1,18)

Wenn ich jedoch meinen Weg mit Gott betrachte, meine Heiligkeit und Reife im Glauben, dann möchte ich um Wachstum bestrebt sein. Wenn ich das nächste Mal meinen Glauben bezeuge, möchte ich nicht mich in den Mittelpunkt stellen, sondern Gott soll auch dort im Zentrum stehen. Natürlich wird mir das selbst nicht gelingen, daher ist es mein Gebet, dass Gott mich auch weiterhin formt und verändert. Nur er kann mir dabei helfen, über mich hinwegzukommen und getrieben von seiner Liebe und Gnade, sein Werk zu verkünden. 

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