Mein Gott, warum antwortest Du nicht?

Mein Gott, warum antwortest Du nicht?

Ein klein wenig Sicherheit

Das ist alles, worum ich Gott bitte. Ab und zu ein Wink mit dem Zaunpfahl, eine Leuchtreklame mit einer Warnung oder ein Brief, der vom Himmel herunter flattert. Ich stelle eine Frage und eine dröhnende Stimme vom Himmel herab gibt mir die Antwort dazu. Soll ich in diese Stadt ziehen? In dieses Land reisen? In diese Gemeinde gehen? Momentan befindet sich mein Leben gerade wieder im Umbruch und so vieles ist noch ungewiss. Ein Wegweiser von oben wäre da doch sehr wünschenswert. Nur um sicherzugehen, dass ich nicht falsch abbiege, nicht vom Weg abkomme. Denn schliesslich gehört mein Leben Gott und ich will ihm damit dienen. Doch in dieser Aussage steckt wohl nur die Hälfte der Wahrheit.  

 

Können Gebete unbeantwortet bleiben?

Gott weiss um unsere Situation, um all unsere Sorgen. In 1. Petrus 5,7 hören wir den Aufruf: All eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. An anderer Stelle sagt Jesus, wir sollen unsere Gebete nicht mit leerem Geschwätz füllen, denn unser Vater im Himmel weiss, was wir brauchen, noch bevor wir es aussprechen (Matthäus 6,7-8). 

Gott hört also alle unsere Gebete. Das ist eine Tatsache und sollte uns bereits ein grosses Mass an Ruhe und Sicherheit geben. Aber das tut es nicht immer. Denn auch wenn wir wissen, dass unsere Bitten, unser Dank und unser Lob vor Gott kommt, so sehnen wir uns doch oft nach einer konkreten Rückmeldung. Und mit konkret meine ich hier wirklich konkret. Es gibt Menschen, die sind dazu in der Lage, eine Antwort in allem zu sehen. In der Sonne, die für einen kurzen Augenblick durch die dicken Wolken hindurch bricht, im Lächeln einer fremden Person oder dem Lied, das gerade zu spielen beginnt, wenn man das Radio einschaltet. Keinesfalls möchte ich diese „Zeichen“ ins Lächerliche ziehe. Zumindest nicht, wenn sie nicht als Bestätigung dafür gesehen werden zu tun, was man sowieso vorhatte zu tun. Beispielsweise den Job zu künden, den man hasst, eine Beziehung beenden, aus der man raus will oder umgekehrt. 

Doch ich will mir nicht Zeichen ausdenken, damit ich mir Sicherheit vorgaukeln kann. Ich will auch nicht raten, ob dies nun ein Zeichen sein könnte oder nicht. Also wie erhalten wir nun unsere direkte, unmissverständliche Antwort von Gott?  

 

Eine Beziehung verändert sich

Als ich frisch zum Glauben kam, nahm ich Gottes Führung oft direkter wahr. Zumindest kommt es mir heute so vor. Als es beispielsweise darum ging, welche theologische Ausbildung ich machen würde, da bekam ich bei der ersten Schule ein klares Nein. Ich hatte meine Bewerbungsmappe fertiggestellt und sie wartete nur darauf, abgeschickt zu werden. Begeistert von der Schule, wollte ich unbedingt dort studieren. Aber als ich auf die Unterlagen blickte, wusste ich ganz klar und ohne Zweifel, dass dies nicht der Weg war, den Gott mit mir gehen wollte. Also schickte ich die Unterlagen nicht ab. Doch erst mal war ich so enttäuscht, dass ich die nächsten zwei Monate schmollte und den Gedanken für einen Studiengang ganz aufgeben wollte. Geduldig half mir Gott aber auch aus dieser Trotzphase heraus, sodass ich schlussendlich am sbt Beatenberg landete. (Übrigens eine tolle Schule, die ich gerne weiterempfehle. Hier gehts zur Webseite) 

Wenn ich über meine Beziehung mit Gott reflektiere, so merke ich, dass er sehr wohl immer noch mit mir spricht. Doch oft höre ich den Heiligen Geist, wenn er mich auf mein Verhalten aufmerksam macht, sich Gott mir in der Schrift offenbart oder mir einfach zeigt, dass er mit mir ist. Weniger höre ich Gott, um mir jeden Schritt vorauszusagen. Nicht, dass er dies nicht mehr tun könnte. Es gibt auch jetzt noch Situationen, in denen ich klar weiss, dass ich etwas Bestimmtes tun sollte. Nur eben nicht immer und oft auch nicht dann, wann ich es eigentlich will. Doch wenn Gottes Ziel mit mir meine Heiligung ist, so wird er, der sie vollbringt, wohl auch die Mittel wählen dürfen, wie er dies erreichen will. 

 

Was steckt hinter dem Ganzen?

Worum geht es mir also wirklich dabei? Warum möchte ich unbedingt all meine Fragen beantwortet haben? Habe ich tatsächlich Angst, dass ich Gottes genialen Plan durchkreuzen könnte mit einer falschen Entscheidung? Es wäre schon ein speziell tragischer Fall von Grössenwahn, wenn ich glauben würde, dass ich auch nur ansatzweise gross oder mächtig genug bin, um Gottes Vorhaben vereiteln zu können.

Unterbewusst wird der dringende Wunsch nach Antworten also vermutlich von etwas anderem genährt. Es geht um Sicherheit, scheitern und unangenehme Konsequenzen vermeiden. Nicht die Suche nach Gottes Ehre, sondern die Suche nach Gewissheit. Und schon wären wir wieder beim altbekannten Wunsch der Kontrolle. Gott, der zur Wahrsagerkugel degradiert wird. 

 

Sollen wir dennoch Gottes Willen im Voraus kennen?

Paulus spricht im Kolosserbrief darüber, was seine Gebete für die dortige Gemeinde sind. 

Darum lassen auch wir von dem Tag an, an dem wir’s gehört haben, nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass ihr, des Herrn würdig, ihm ganz zu Gefallen lebt und Frucht bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut. (Kolosser 1,9-11)

Sein Wunsch war es, dass die Gemeinde Gottes Willen erkennt. Doch nicht um auf der sicheren Seite zu sein, ja keine Fehler zu machen und schwierigen oder unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen. Der Wille Gottes sollte erkannt und getan werden. Ihr Leben sollte geprägt sein von guten Taten und so ausgerichtet auf Gott, würden sie ihn immer besser kennenlernen.

Der Fokus liegt nicht so sehr auf dem Was, sondern dem Wie. Es geht in erster Linie nicht um links oder rechts, Biel oder Zürich, gehen oder blieben, sondern darum, dass wir das was wir wissen auch umzusetzen. Wir sollen Gottes Ehre in all unserem Tun suchen, uns von der Dunkelheit abkehren und im Licht leben. Auf diesem Weg vertrauen wir darauf, dass Gott die richtigen Türen öffnet und die falschen schliessen wird. 

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Epheser 4,22-24)

Jen Wilkin, eine grossartige Autorin, Referentin und Bibellehrerin, schreibt: „God is always more concerned with the decision-maker than he is with the decision itself.“ (Gott ist immer mehr am Entscheidungsträger interessiert, als an der Entscheidung selbst.) Daher ist die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollen: Welche Person wollen wir sein? Diese Entscheidung prägt jede weitere, die wir treffen werden. 

 

Vertrauenswürdig

Dem Kontrollwunsch entgegengesetzt steht das Vertrauen. Verlassen wir uns darauf, dass Gott uns führt und uns gibt, was wir brauchen. Auch, wenn er uns seinen Plan nicht immer Wort für Wort im Voraus wissen lässt. Dennoch wissen wir, dass Gott schlussendlich immer an sein Ziel kommt. Als sein Kind darf ich mir unter all den wundervollen Verheissungen, zwei besonders zu Herzen nehmen in dieser Situation.   

  1. Alles dient uns zum Besten
    Selbst wenn wir es nicht vorhergesehen haben. 
    Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.
  2. Gott wird sein Ziel mit uns erreichen
    Selbst wenn wir lieber einen anderen Weg gewählt hätten, Gott weiss was er tut.
    Philipper 1,6: Und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

Wenn wir das verstehen und in unserem Herzen glauben, müssen wir nicht zwangsläufig alles im Voraus wissen. Wir haben die Bibel, Gottes Wort, welche uns das einen Einblick in das Wesen Gottes gibt und seinen Willen offenbart. Doch nicht nur das, der Heilige Geist, Gott selbst, wohnt in uns. Er erneuert und verändert uns und lässt uns den Willen Gottes erkennen. Richten wir uns danach. Vielleicht war das der Grund, weshalb Gott dachte, dass eine Leuchtreklame nicht unbedingt notwendig sei. 

Wie gehst du mit Entscheidungen um, wenn du keine klare Antwort von Gott erhältst?

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Katharina

    Ich gebe Gott im Gebet meine Entscheidungen hin und dann tu ich nach bestem Wissen und Gewissen das, was mir am sinnvollsten erscheint. Ich bete, dass er bei falschen Entscheidungen die Türen schließt und vertraue darauf, dass ich Gott an dem Ort, an dem ich bin, dienen kann.

    1. FAITH BLOG

      Das scheint mir ein super Weg zu sein. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich wünsche Dir Gottes Segen und Führung.

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