Ich trag was ich will! Warum es sich lohnt, sich als Christ einige Gedanken über die Kleiderwahl zu machen.

Ich trag was ich will! Warum es sich lohnt, sich als Christ einige Gedanken über die Kleiderwahl zu machen.

Es wird heiss und mit den steigenden Temperaturen feiern auch die Sommerkleidchen ihr Comeback. Auf den Strassen heissen bereits kurze Shorts und Shirts mit tiefen Einblicken die neue Jahreszeit willkommen. Es ist eine Zeit, die immer etwas Unbeschwertes und Lockeres mit sich trägt. Und inmitten dieser neu erwachten Lebensfreude stehen wir – Christen. 

Dieser Artikel ist für diejenigen unter uns, die nicht immer oder nicht schon immer einen „christlichen“ Kleiderstil pflegten. Und für diejenigen, die sich eigentlich nie wirklich Gedanken über ihre Kleidung machen, aber heute spätestens damit anfangen sollten. 

Ich zieh an was mir gefällt!

Wie sehr ich diesen Ansatz verstehen kann. Kleidung ist so viel mehr als ein paar Lagen Stoff, die unseren Körper bedecken. Kleidung ist Ausdruck der Persönlichkeit. Sie sagt etwas über den Menschen aus. Vielleicht bist du sportlich, magst es gerne bequem oder stehst auf Luxus. Möglich, dass du eher schüchtern bist und nicht zu viel Aufmerksamkeit auf dich ziehen willst oder du kleidest dich gerade dafür, dass man dich bemerkt. Selbst wenn dir deine Garderobe völlig egal ist, sagt dies etwas über dich aus. Es ist unmöglich nichts auszusagen. Was willst du also vermitteln? Was trägst du gegen aussen in die Welt?

Ein delikates Thema. Gerade weil Kleidung etwas so persönliches ist und Ausdruck unserer Selbst, lassen wir unsere Freiheit nur ungern von anderen Menschen beschneiden. Wir empfinden es zeitweise sogar gerade zu als eine Frechheit, sollte es jemand wagen, unseren Stil zu kritisieren. Schliesslich muss er ja uns gefallen und sonst niemandem. Punkt?

Das Rock-Zopf-Klischee

Was wäre angebracht für einen Christen? Ist alles farbenfrohe und hübsche unzulässig? Dürfen sämtliche Christinnen nur noch in knöchellangen grauen oder braunen Röcken herumlaufen, die Haare tugendhaft in einem straffen Zopf zusammengeflochten? Das glaube ich nicht, auch wenn ich absolut nichts gegen einen bescheidenen Kleiderstil habe.

Oft werden diese Christen aber von ihrer Umwelt belächelt. Sogar andere Gläubige stellen sich häufig nicht auf ihrer Seite, sondern versuchen sich von ihnen zu distanzieren, mitunter mit wenig schmeichelhaften Spitznamen wie eben „Rock-Zopf-Christen“. Schliesslich ist man ja ein Christ aus dem 21. Jahrhundert und so ganz anders. Sie hingegen seien abschreckend, wirken archaisch und liessen das Christsein nicht einladend erscheinen.

Aber ist der Heilige Geist wirklich auf unsere Garderobe angewiesen oder hat die Ablehnung einen völlig anderen Ursprung? 

Schön und sexy

Gott mag Schönheit, so viel steht fest, denn wir sehen die ganze Schöpfung davon durchzogen. Es wäre daher unsinnig zu behaupten, dass wir unsere Schönheit verstecken oder uns sogar absichtlich unansehnlich machen müssen. Gott hat uns schön geschaffen, davor brauchen wir uns weder zu fürchten, noch uns dafür zu entschuldigen. 

Doch damit ist noch nicht ganz alles geklärt. Obschon ich als Frau durchaus meine Schönheit durch Kleidung unterstreichen kann, so sollte ich meinen Körper nicht sinnlich unterstreichen. Denn Gott hat den Menschen auch so geschaffen, dass wir uns körperlich zu anderen hingezogen fühlen können. Wie man sich kleidet, hat sehr wohl einen Einfluss darauf.  

Gibt es also irgendwelche Regeln, die man als Christ einhalten muss? Beispielsweise wie kurz darf der Rock sein, wie eng das Oberteil? Die eigene Wahrnehmung scheint oft verschoben zu sein und was von der Gesellschaft akzeptiert wird, wird auch von Christen nicht immer hinterfragt. Am liebsten wäre mir die Antwort, dass das jeder selber wissen muss, aber ein Blick auf die Strassen, auf Instagram und Facebook verrät, dass es längst nicht jeder weiss. Darum ist es vielleicht an der Zeit, dass wir darüber sprechen. Ohne zu verdammen, aber liebevoll und ehrlich.  

Als Erstes müssen wir wohl eine Unterscheidung machen zwischen schön und aufreizend. Gemäss Duden bedeutet der Begriff sexy „sexuell attraktiv oder zu einer entsprechenden Wirkung verhelfend“. Dazu gefällt mir die Erklärung von Paul Washer:

„Wenn deine Kleidung ein Rahmen für dein Gesicht ist, von dem die Herrlichkeit Gottes scheinen soll, so ist sie angemessen. Wenn sie also die Aufmerksamkeit auf dein Gesicht zieht. Wenn aber deine Kleidung die Aufmerksamkeit auf deinen Körper lenkt, um diesen darzustellen, damit er Beachtung findet, so ist die Aufmachung sinnlich und lustvoll. Was du da machst, ist falsch… Und auch, wenn ihr nicht genau die Regeln davon niederschreiben und sie alle auf Papier bringen könnt – wenn ihr es seht, dann wisst ihr es: Da gibt es einen Unterschied zwischen Schönheit und Sinnlichkeit. Und Gott ist nicht gegen Schönheit. Er ist gegen Sinnlichkeit.“

Im Freibad sieht man schliesslich mehr!

Natürlich ist das wahr, aber dennoch scheint diese Argumentationslinie nicht ganz schlüssig. Singe ich beispielsweise in der Bibliothek lauthals vor mich hin, verteidige ich dieses Verhalten auch nicht mit den Worten: „An einem Konzert singe ich lauter.“ Denn Fakt ist, ich bin nicht an einem Konzert und daher mag mein Verhalten für einige Leute auch irritierend sein. Ganz zu schweigen von den  Leuten, die bewusst nicht an ein Konzert gehen würden. 

Zieht also die erst genannte Ausrede nicht, weichen viele auf den Satz aus: „Wem es nicht gefällt, der soll nicht hinschauen.“ Diese Aussage ist durch ihre fehlende Rücksichtnahme recht lieblos und wirft zudem jegliche Eigenverantwortung von sich. Wir können nicht die ganze Verantwortung auf das andere Geschlecht schieben. Natürlich bedeutet das nicht, dass sie keine Schuld tragen, wenn sie sich versündigen. Es bedeutet nur, dass wir daran nicht unschuldig sind. 

Jesus sagt in der Bergpredigt: „Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht und sie begehrt, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Matthäus 5,28) Das ist nicht etwas, was ich auslösen möchte, denn für mich sieht Nächstenliebe anders aus. Wollen wir uns also tatsächlich einreden, dass Männer uns nicht wahrnehmen, wenn wir knapp bekleidet durch die Welt hüpfen? Das es keinen Einfluss hat? Zeigen wir Verantwortung und Respekt dem anderen Geschlecht, und falls es ihn gibt, auch dem eigenen oder zukünftigen Mann gegenüber, indem wir uns nur ihm gegenüber aufreizend zeigen. 

Ich weiss nicht, wie es dir damit geht, aber seit ich Christ bin, möchte ich auch nicht mehr von fremden Männern begehrt werden. Heute empfinde ich es als sehr störend und unangenehm, wenn ich gewisse Blicke entdecke. Ich erwarte, dass Männer respektvoll mit mir umgehen, weiss inzwischen aber auch, dass die Art wie ich mich kleide, durchaus einen Einfluss darauf hat. Ich möchte nicht als eine Person wahrgenommen werden, die auf Flirts oder Bestätigung aus ist, sondern als Frau, die Gott an allererster Stelle sucht und andere ebenfalls auf diesem Weg unterstützen und nicht davon ablenken möchte. 

In 1. Timotheus 2,9 steht: „Desgleichen, dass die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Besonnenheit, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand, sondern, wie sich’s ziemt für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen, mit guten Werken.“ 

Das Wort, welches hier mit „schicklich“ übersetzt wurde, könnte man auch mit anständig, würdig oder ehrbar übersetzen. Welche Kleidung würde dies für dich erfüllen?

Eine neue Sichtweise

Statt nach Ausflüchten zu suchen, sollten wir uns die Frage stellen, warum es so kurz, so eng oder so knapp sein muss. Sind wir ehrlich, so heiss wird es hier bei uns nicht und falls doch, würde man die Haut besser bedecken, um sie zu schützen. Sind es also andere Gründe wie Unsicherheit oder suchen wir nach Macht? Es fühlt sich schön an, Aufmerksamkeit zu erhalten. Man wird beachtet, ist gewollt und fühlt sich dadurch vielleicht ein klein wenig akzeptierter in dieser Welt.

Bevor ich Jesus kannte, war mein Selbstwertgefühl alleine von mir abhängig. Das Verhalten der Menschen um mich, mein eigenes Verhalten und mein Äusseres hatten immer einen direkten Einfluss darauf. Erst als ich gläubig wurde erkannte ich, dass ich wertvoll bin, weil Gott mich geschaffen hatte, und zwar nach seinem Ebenbild. Dieser Wert konnte mir niemand mehr wegnehmen, nicht einmal ich selbst. Und zu all dem hat er mich erwählt seine Tochter zu sein. Der Sohn gab sein Leben am Kreuz für mich und der Heilige Geist lebt in mir. Eine weitere Bestätigung ist daher nicht mehr notwendig.

Ich weiss, das ist leicht gesagt. Alte Denkmuster gehen oft sehr tief und sind nur schwer loszuwerden. Was hilft ist Gebet, Geduld und ein ständiges sich wieder erinnern an die Wahrheit Gottes. 

Trag was dir entspricht

Dein Kleiderstil unterstreicht deine Persönlichkeit. Ich hoffe du trägst, was dir gefällt. Vor allem aber hoffe ich, dass du dazu hingezogen wirst, dich selbst so zu zeigen, wie es einem Repräsentanten Christi entspricht. Lass dein ganzes Sein, deine Gedanken, deine Worte, deine Taten, Wünsche und Ziele dies reflektieren. Ich will nicht behaupten, dass mir dies immer gelingt, aber ich will mich an Gott und der Frage orientieren, wie ich als seine Tochter vor ihm stehen möchte. 

Bildnachweis: Godisable Jacob, Pexels

Paul Washer Predigt auf Youtube

12 views
Jetzt für den Newsletter anmelden
Melde Dich an, um über neue Einträge informiert zu werden. Ausserdem erhältst Du sofort Zugang zu gratis Material für einen Frauentreff.

Danke fürs Teilen!

Melde Dich an, um über neue Einträge informiert zu werden. Ausserdem erhältst Du sofort Zugang zu gratis Material für einen Frauentreff.

Danke fürs Teilen!

Schreibe einen Kommentar