Komm mir jetzt bitte nicht damit, dass Weihnachten ein heidnisches Fest sei oder bloss eine Marketingmasche. Ich liebe Weihnachten! Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass ich damit bei den Erwachsenen etwas aus der Reihe tanz. Doch meine Freude lasse ich mir dadurch nicht nehmen. 

Freude von gestern, Freude von heute

Klar, als Kind lagen die Gründe auf der Hand. Es ging um Geschenke! Schon Wochen zuvor baute sich die Vorfreude und Spannung auf; würde das heiss ersehnte Spielzeugauto, die neue Barbytraumvilla oder das blaue Fahrrad unter dem Baum stehen? Eine ganze Welt schien davon abzuhängen oder zumindest die ganze Freude. Als wir klein waren, schien sowieso immer alles viel grösser zu sein. Die Emotionen miteingeschlossen. So würde es schliesslich einer Katastrophe kolossalen Ausmasses gleichkommen, sollten die Wünsche nicht erfüllt werden. Doch sollten sie in Erfüllung kommen, war die explodierende Freude genauso übermässig. Auch wenn sie für gewöhnlich nicht allzu lange anhielt. 

Doch mit zunehmendem Alter wurden auch unsere Vorstellungen erwachsener. So standen nicht mehr die perfekten Geschenke im Vordergrund, sondern sie machten nun den perfekten Abenden Platz. Die herzlichen Stunden mit den Liebsten, das feine selbst gekochte Festessen, die verzaubernde Weihnachtsdekoration. 

Und wieder steht eine kleine Welt auf dem Spiel, sollte das Erhoffte nicht eintreffen. 

Von Erwartungen und andere Enttäuschungen

Wie erlebst du Weihnachten? Als besinnlicher Abend oder doch eher als Stress pur? Beides kann es ja wohl nicht sein. Entweder man kommt innerlich zur Ruhe und besinnt sich auf das Wesentliche oder man fühlt sich gehetzt und steht unter Druck. Es liegt auf der Hand, dass die meisten Menschen wohl lieber den Frieden verspüren wollen, als sich gestresst zu fühlen. Ausserdem nennen wir es ja auch die „besinnliche Zeit“ im Jahr ist. Was also machen wir falsch, dass bei so vielen Menschen die Freude dem Druck weichen muss?  

Eine Redensart besagt: „Wer nichts erwartet, der wird auch nicht enttäuscht.“ Ist das die Lösungen für ein entspanntes Weihnachtsfest? Wer sich zum Ziel setzt, einen perfekten Abend zu erleben, der wird spätestens enttäuscht sein, wenn die Gäste eintreffen. Sollte er zur Selbstreflexion fähig sein, allerdings schon um einiges früher. Denn Fakt ist, Menschen sind so alles andere als perfekt. In Familien kommt es schon mal vor, dass man sich unter Geschwistern anzickt, dass die Kinder sich daneben benehmen, es mit dem Ehepartner kriselt oder die eigenen Eltern es verpassen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Es kann vorkommen, dass das mühsam vorbereitet Essen nicht gewürdigt wird, dass die Tischatmosphäre nicht die erhoffte Wärme und Besinnlichkeit erhält und alles Nervende und Frustrierende, das sich während des Jahres aufgestaut hat, nicht plötzlich auf wundersame Art und Weise an dem Abend verschwunden ist. 

Wäre es da nicht besser, einfach nichts zu erwarten? Einen Abend, an dem jeder kommen darf, wie er sich gerade fühlt. An dem kein aufgesetztes Lächeln Bedingung ist und weder der Tannenbaum mit den Päckchen noch der gedeckte Tisch Hollywood-Niveau haben müssen. Und das wäre dann auch völlig okay. Schliesslich geht es an Weihnachten nicht darum, welche Familie das beste Rollenspiel auf die Reihe kriegt und sich möglichst gut verstellen kann. Getrost können wir also einen Grossteil des weihnachtlichen Stresses loswerden, wenn wir uns vom Gedanken des perfekten Geschenkes, des perfekten Essen und der perfekten Tischgespräche verabschieden. Doch müssen wir auf all unsere Erwartungen verzichten, damit wir schöne Festtage erleben können?

Die richtige Erwartung 

Mag sein, dass, wer nichts erwartet, auch nicht enttäuscht wird, doch beraubt er sich gleichzeitig auch der Vorfreude und der Hoffnung. Eine unvorstellbare Vorstellung gerade für uns Christen. Der Schlüssel liegt darin, die Erwartungen in die richtigen Dinge zu haben.  

Adventus domini, die Ankunft des Herrn. Darauf besinnen wir uns in dieser Zeit. Johannes schreibt in seinem Evangelium über Jesus, den Sohn Gottes:

´Der, auf den er [Johannes der Täufer] hinwies,` war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet – das Licht, das in die Welt kommen sollte. Er war in der Welt, aber die Welt, die durch ihn geschaffen war, erkannte ihn nicht. Er kam zu seinem Volk, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen.

All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie wurden es weder aufgrund ihrer Abstammung noch durch menschliches Wollen, noch durch den Entschluss eines Mannes; sie sind aus Gott geboren worden.

Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt. (Johannes 1,9-14)

Ist dir bewusst, was für ein riesiges Wunder dies ist? Gott, der sich selbst auf diese Weise erniedrigte und zu uns kam. Wie sonst könnten wir uns Gott nahen? Aus eigener Anstrengung ist es unmöglich. Muss nicht Gott selbst sich zu uns herunterbeugen, einen Weg schaffen und uns zu sich hochheben? Und genau das geschah an Weihnachten.

Wir blicken in dieser Zeit also auf die wundersamste Geburt der Menschheitsgeschichte. Die Ankunft des Messias, des Erlösers. Angekündigt bereits vor tausenden von Jahren, als Gott versprach, dass ein Nachkomme von Eva Satan besiegen würde (1. Mose 3,15). Als Gott Abraham zusicherte, dass durch seine Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden (1. Mose 22,18). Als dem Volk zugesagt wurde, dass ein Nachkomme Davids auf seinem ewigen Thron sitzen würde und in Ewigkeit in Gerechtigkeit regieren würde (Jesaja 9,6; Psalm 110,1). Gottes eigenes Volk würde ihn nicht annehmen und nicht an ihn glauben. Er würde leiden müssen und verachtet werden, denn es war Gottes Willen, dass er unsere Schuld auf sich nahm und am Kreuz dafür bezahlte (Jesaja 53). Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben (Johannes 3,16). Jesus sagt, dass niemand grössere Liebe hat als derjenige, der sein Leben einsetzt für seine Freunde. So wie ihn der Vater liebt, so liebt auch er seine Nachfolger. (Johannes 15,9-13)

Mehr erwarten und mehr bekommen

Weihnachten ist mehr als ein Fest mit der Familie und ein paar Geschenken. Es ist mehr als ein freier Tag von der Arbeit und mehr als eine Besinnung auf die Nächstenliebe. Weihnachten ist der wundervolle zweite Akt der grössten Liebesgeschichte aller Zeiten. Sie lässt uns zurückblicken auf Gottes wundervolle Verheissungen. Lässt uns unsere Verlorenheit erkennen und unsere Geborgenheit in Christus, dem lange ersehnten Erlöser, das Licht, das in die Welt kam, um uns zu retten. Sie lässt uns vorausblicken und die Wiederkunft Christi erwarten. Sein Kommen als gerechter Richter und Herrscher. Sie lässt uns im Hier und Jetzt innehalten und Gottes Gnade erkennen, die Beziehung, die wir zu Gott haben dürfen, dadurch, dass wir von unseren Sünden reingewaschen wurden. 

Weihnachten ist das Fest, an welchem wir Gottes Wunder gedenken, uns an seiner Liebe erfreuen und an seiner Herrschaft. Nicht weil wir es an den anderen Tagen im Jahr nicht tun, sondern weil wir es in dieser Zeit besonders feiern wollen. 

Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus.
Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen.
Aber er erniedrigte sich ´noch mehr`: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz ´wie ein Verbrecher`.
Deshalb hat Gott ihn auch so unvergleichlich hoch erhöht und hat ihm ´als Ehrentitel` den Namen gegeben, der bedeutender ist als jeder andere Name.
Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind.
Alle werden anerkennen, dass Jesus Christus der Herr ist, und werden damit Gott, dem Vater, die Ehre geben. (Philipper 2,6-11)

Ich wünsche dir eine gesegnete Weihnachtszeit. 

Lebst du für Weihnachten? Würdest du den Feiertag eigentlich gerne überspringen oder treibst du mit deinem Perfektionismus alle in den Wahnsinn? Mach jetzt den Test und finde heraus, welcher Weihnachtstyp du bist…

Nachfolgerin

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